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Was Geld aus und mit uns macht

Längst hat die Glücksforschung erwiesen, dass das Streben nach immer mehr und die Fixierung auf materiellen Besitz uns kein Heil versprechen. Dass Geld zudem das Potenzial hat, den Charakter zu verderben, davon erzählt uns bereits die Bibel. Wenig bewusst ist uns allerdings, in welchem Ausmaß die Psyche und damit die Dynamik von Beziehungen durch Geld bestimmt sind. Geld und Besitz nehmen uns im wahrsten Sinne des Wortes gefangen. Egal ob wir viel oder wenig davon haben – Geld beherrscht uns; es beeinflusst unser Tun und Streben, unsere Gefühle und Wünsche und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen.

Dass wir nicht umhinkommen, uns dieser komplexen Thematik zu stellen, macht das Sachbuch „Geld oder Leben?“ von Dr. Gisela Kaiser bewusst. „Wie man mit seinen Gefühlen umgeht, so geht man auch mit Geld um. Und umgekehrt!“ – Kaisers Ausgangsthese ist provokant. Doch die Lektüre macht schnell deutlich, dass Geld sowohl Substitut wie Projektionsfläche ist. In einer Gesellschaft, die auf anhaltendes Wachstum, fortwährenden Konsum und auf stetige Bestleistungen fixiert ist, gelten Geld und Besitztum als sichtbare Beweise dafür, dass wir leistungsfähig sind und uns auf dem Markt gut verkaufen können. Gelingt solch ein Nachweis nicht oder eher mäßig, fühlen wir uns als Versager. Wie der Einzelne mit Geld umgeht, darin manifestieren sich psychische Befindlichkeiten, die durch die familiäre Herkunft, die individuelle Lebensgeschichte und den gesellschaftlichen Kontext geprägt sind. Je nach unseren Bedürfnissen laden wir Geld emotional auf. Dem Einen verheißt es Sicherheit und Status, bei einem Anderen schürt es Ängste oder Misstrauen. Dem System der Beurteilung und Bewertung über Einkommen und Statussymbole kann sich nur entziehen, wer ein robustes Selbstwertgefühl hat. Geld ist kein Ziel, sondern ein Mittel zum Zweck! Und eben darauf zielt der Titel des Buches „Geld oder Leben?“ ab. Nämlich auf die der Macht des Geldes fremdbestimmen lassen oder selbstbestimmt leben? Inwieweit sich unsere Einstellung zum Geld in sämtlichen Lebensbereichen auswirkt, führt uns Gisela Kaiser vor Auge. Sie befragt die Kulturgeschichte, und stellt dar, welche Rolle die verschiedenen Religionen dem Besitz zuschreiben und welchen Stellenwert Geld und Eigentum in Produktionen der modernen Unterhaltungsindustrie haben. Dabei räumt sie auch mit der romantischen Vorstellung auf, dass Liebe und Geld nichts miteinander gemein hätten. Um möglichst wirklichkeitsnahe Antworten zu finden, die weniger der Theorie als vielmehr dem realen Leben im Turbo-Kapitalismus verpflichtet sind, führte die studierte Psychologin über Jahre hinweg zahllose Interviews und Gespräche. Mit Superreichen ebenso wie mit armen Schluckern. Hier betritt Gisela Kaiser Neuland. Darstellungen, die Einblicke in die Lebens- und Denkweise von wirklich Vermögenden gewähren, sind selten. Wirklich reiche Menschen, halten sich bedeckt, leben zumeist abgeschieden und lassen sich nur äußerst ungerne in die Karten schauen.